Warum die Entwicklung von „geschickten Händen“ nicht ganz so einfach ist

Warum die Entwicklung von „geschickten Händen“ nicht ganz so einfach ist

von Irmhilde Guggenbichler

Häufig werden Kinder  wegen feinmotorischer Probleme in die Ergotherapie überwiesen.

Diese Kinder fallen meist dadurch auf, dass sie weniger geschickt mit diversen Materialen (z. B. Umgang mit Schere, Steckspielen, Schließen von Knöpfen und Reißverschlüssen u. ä.) umgehen als Gleichaltrige, auch ein Vermeiden von Malen und Zeichnen kann ein Hinweis auf eine unzureichende fein- und grafomotorische Entwicklung sein.

Die Entwicklung einer optimalen altersentsprechenden Handgeschicklichkeit ist sehr komplex und setzt eine gut entwickelte Grobmotorik  und eine exakte Sinneswahrnehmung  voraus, da sich die Bereiche Grobmotorik (= Fähigkeit zur allgemeinen Bewegungsfähigkeit, Koordination und Gleichgewicht u.ä.), Sinneswahrnehmung (Sehen, Hören, Fühlen u. ä.) und Feinmotorik (dazu gehört u. a. die Handgeschicklichkeit) immer gegenseitig beeinflussen.

Versuchen Sie einmal einen Text zu schreiben oder eine Legofigur zusammen zu bauen, wenn Sie Schihandschuhe tragen, durch eine nicht angepasste Brille durchsehen und gleichzeitig als Beifahrer in einem Auto sitzen, welches über eine holprige Straße fährt  – geht nicht oder wenn, nur mit sehr viel Mühe und nach vielen Versuchen.

Ein Kind, das zum Beispiel motorisch unruhig ist und die Körperbewegungen nicht fein dosieren kann, kann im Stehen und Sitzen keine stabile Grundhaltung einnehmen (wie der Beifahrer im Auto), was aber eine Voraussetzung für eine exakte Fein- und Grafomotorik (= alle Fähigkeiten rund um das Schreiben und Malen) ist. 

Ein Kind, welches  eine nicht optimal entwickelte Sinneswahrnehmung hat, kann beispielsweise die Haltung der Finger an einem Gegenstand nur diffus wahrnehmen (wie beim Tragen von Schihandschuhen) oder visuelle Reize nicht exakt wahrnehmen (wie beim Sehen durch eine Lesebrille), was sich wiederum für eine feinmotorische Entwicklung weniger unterstützend auswirkt.

Bei der Diagnostik von fein- und grafomotorischen Schwierigkeiten wird immer die Grob-, Fein- und Grafomotorik (einschließlich Malentwicklung) und die gesamte Sinneswahrnehmung genau beobachtet und getestet.

In den anschließenden ergotherapeutischen Behandlungen werden mit dem für das Kind geeigneten Therapiemitteln im grob- und feinmotorischen Bereich, aber auch an einer optimalen sensorischen Integration (= Aufnahme, Verarbeitung und Verknüpfung diverser Wahrnehmungsreize) sehr häufig parallel therapeutisch gearbeitet, um die Entwicklung von „geschickten Händen“ positiv zu beeinflussen.

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Bildquelle: © Köpenicker - Fotolia.com

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