Die kindliche Sprachentwicklung

Die kindliche Sprachentwicklung

von Eva Maria Jaritz

Lange bevor Kinder die ersten Worte sprechen können sind sie bereits in der Lage Sprache wahrzunehmen. Im Mutterleib hören und verarbeiten die Kinder Sprache und können bereits  von Geburt an zwischen Sprachlauten und anderen Tönen oder Geräuschen unterscheiden.

Da Kinder in der Regel nur die eine, ihre Muttersprache hören, lernen sie mit etwa 6 Monaten, die Sprachlaute in dieser ihnen vertrauten Sprache besser zu differenzieren. Es findet eine Kategorisierung der Sprachlaute statt, die spezifisch für die Muttersprache ist (Werker&Tees, 1984).

Die erste lautliche Äußerung des Kindes ist  das „Schreien“. Hinzu kommen in den ersten 6 Lebenswochen Laute, die durch normale Stimmgebung auch mit (fast) geschlossenem Mund produziert werden können. Ab der 7.Lebenswoche, besonders in Wohlfühlsituationen, werden Gurrlaute erzeugt (z.B. „eche“, „gr“).

Ab dem 4.Lebensmonat probiert das Kind alle möglichen Laute, egal ob diese in der Zielsprache vorkommen oder nicht. Mit  etwa 6 Monaten befindet sich das Kind im „reduplizierenden oder kanonischen Lallstadium“. Dabei bildet das Kind erste Silbenverdoppelungen (z.B.„da-da“), gefolgt vom „variierenden Lallen“ mit etwa 9 Monaten (z.B. „gatewu“). Mit der Fähigkeit, aus dem Lautstrom die Lautkombinationen zu erkennen, welche Wörter darstellen, setzt das erste Wortverständnis ein. Die Bildung erster Wörter folgt unmittelbar zwischen dem 10. und dem 14. Lebensmonat (Penner, 2000). Diese Wörter sind meist Namenwörter (z.B. „mama“). Der Gebrauch von Verben setzt erst später ein. In diesem Alter versteht das Kind einfache Aufträge.

Während sich anfänglich der Erwerb neuer Wörter langsam vollzieht, setzt mit 17-23 Monaten, bei gut entwickeltem Sprachverständnis, der sog. Wortschatzspurt ein. Sobald Kinder etwa 50 Wörter sprechen, lernen sie neue Wörter sehr schnell hinzu und erweitern ihren Wortschatz bis zum Ende des zweiten Lebensjahres auf etwa 200 Wörter. Sie können mit zweieinhalb Jahren schon 500 Wörter aktiv benutzen (Rothweiler&Meibauer,1999). Lange vor diesem Zeitpunkt haben die Kinder bereits ein erstes Verständnis für grammatikalische Strukturen entwickelt (Hirsh-Pasek et al.,1987). Mit zweieinhalb bis drei Jahren sind die Kinder in der Lage, in Drei-und Mehrwortäußerungen zu sprechen, die wichtigsten grammatikalischen Regeln korrekt anzuwenden, Fragen zu stellen sowie die Ich-Form zu verwenden (Weissenborn, 2000). In diesem Alter versteht das Kind bereits einfache Geschichten.

Im Alter von etwa vier Jahren beherrschen die Kinder ihre Muttersprache weitgehend, d.h. sie können nicht nur alle Laute bilden, Mehrzahl- und Vergangenheitsformen verwenden sowie Präpositionen und Artikel korrekt bilden sondern sind auch in der Lage, von Erlebnissen zu berichten und kleine Geschichten nachzuerzählen.

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Bildquelle: © olly - Fotolia.com

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